John Franzen - Minimalistische Zeichnungen und Stahlskulpturen
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Kunst als meditativer Prozess
John Franzens Werk setzt sich in existenzieller Weise mit dem menschlichen Dasein auseinander – insbesondere in den beiden komplementären Serien Each Line One Breath und Creation is Destruction.
In der Werkserie Each Line One Breath verdichtet der Künstler den Akt des Zeichnens auf seinen elementarsten Ursprung: die eigene Existenz im Moment. Jede Linie entsteht im Rhythmus seines Atems. Mit dem Einatmen wird eine Linie gesetzt, mit dem Ausatmen folgt die nächste. Zeichnung und Körper sind dabei untrennbar miteinander verbunden – der physische Vorgang des Atmens wird zum strukturierenden Prinzip der Arbeit.
Die Linie ist bei Franzen nicht Ausdruck eines vorab festgelegten Bildes, sondern das sichtbare Resultat eines zeitlichen und körperlichen Prozesses. Jede Spur verweist auf einen konkreten Moment des Seins, auf Präsenz, Konzentration und Vergänglichkeit zugleich. Der Atem fungiert als Taktgeber, als Maß für Zeit und als unmittelbarer Ausdruck von Leben. So wird die Zeichnung zu einer Art stiller Selbstvergewisserung: Solange eine Linie entsteht, ist der Künstler da.
Gleichzeitig verweigert sich die Serie jeder narrativen oder symbolischen Überhöhung. Die Reduktion auf Linie, Papier und Atem lenkt den Blick auf das Wesentliche und macht die Verletzlichkeit des menschlichen Daseins spürbar. Unregelmäßigkeiten, Verdichtungen oder Pausen sind keine Störungen, sondern Zeugnisse des individuellen Atemrhythmus und damit der körperlichen Realität des Künstlers.
Each Line One Breath ist weniger als Bild denn als Protokoll einer Existenz zu lesen. Die Zeichnungen halten fest, was sich normalerweise dem Sichtbaren entzieht: Zeit, Atem und die fragile Kontinuität des Lebens selbst.
Wandskulpturen aus verspiegeltem Stahl
In der Werkserie Creation is Destruction verlagert John Franzen den künstlerischen Prozess vom inneren Rhythmus des Atems in eine physisch-konfrontative Auseinandersetzung mit Material und Raum. Die Arbeiten bestehen aus Wandskulpturen aus hochglanzpoliertem, verspiegeltem Stahl, dessen makellose Oberfläche zunächst das Ideal eines perfekten Spiegelbildes evoziert. Doch diese scheinbare Vollkommenheit wird durch gezielte, gewaltsame Eingriffe gebrochen: Axthiebe, Schläge und Schüsse zeichnen sich unauslöschlich in das Metall ein.
Diese Gesten sind zugleich destruktiv und schöpferisch. Erst durch die Zerstörung entsteht das Werk. Die Eingriffe deformieren nicht nur das Material, sondern auch das Spiegelbild des Betrachters. Die eigene Reflexion wird fragmentiert, verzerrt oder unterbrochen – der Spiegel verliert seine Funktion als narzisstisches Instrument und wird zu einem Ort der Irritation und Selbstbefragung. Der Blick auf sich selbst ist nicht länger kontrollierbar, sondern konfrontativ.
Franzen nutzt den Spiegel als Medium der Selbstwahrnehmung und führt dessen inhärente Ambivalenz vor Augen. Das Material verweist auf Härte, Dauerhaftigkeit und industrielle Präzision, während die sichtbaren Spuren der Gewalt eine radikale Körperlichkeit und Präsenz markieren. Zeit wird hier nicht über Wiederholung gemessen, sondern über den unwiderruflichen Moment des Eingriffs.


Ausgewählte Kunstwerke und Ausstellungsansichten von John Franzen


Biografie
Der Künstler wurde 1981 geboren und wuchs als Einzelkind berufstätiger Eltern auf. Seine Jugend war geprägt von häufigen Umzügen und Instabilität, was dazu führte, dass er wenige soziale Beziehungen aufbauen konnte und oftmals alleine Zuhause bleiben musste. Diese Umstände bewirkten, dass er eine große Angst vor der Nacht und der Dunkelheit entwickelte. Seine Angst kanalisierte er schließlich in Zeichnungen, die für ihn eine Flucht aus seiner Einsamkeit und in seine eigene kreative Welt bedeuteten. Seitens seiner Familie gab es keine Berührungspunkte zur Kunst in Form von kreativer Förderung oder Museumsbesuchen, so dass er eine starke Wechselbeziehung zwischen seiner eigenen Kreativität und der äußeren Kunstwelt aufbaute.
John Franzen besuchte ab dem 15. Lebensjahr das Robert Schuman Institut in Eupen/Belgien, wo seine Kreativität stark gefördert und wahrgenommen wurde. Nach der Schulzeit arbeitete er zwei Jahre lang als Holzfäller und kreativer Naturpädagoge für Kinder. Die Erfahrungen, die er dort sammelte, eröffneten ihm neue Perspektiven, in Medien zu arbeiten, die über die Zweidimensionalität hinaus gingen und weckten sein Interesse an körperlicher kreativer Arbeit.
Von 2003 bis 2008 studierte er an der Kunstakademie in Maastricht, deren sehr strukturierter Unterricht ihm eine stabile Ausbildung ermöglichte und eine starke Arbeitsmoral sowie künstlerischen Hintergrund verschaffte. Obwohl sie keine enge Verbindung pflegten, erschütterte kurz vor seinem Abschluss der Tod seines Vaters den Künstler stark und stellte einen Wendepunkt in dessen Leben dar - sowohl privat als auch künstlerisch. Er wurde spiritueller, begann mit Meditation, die seinen Geist beeinflussen sollte. Sein Werk wandte sich grundlegend von der Gegenständlichkeit hin zur Abstraktion und wurde introspektierter. Sein Schaffen teilte sich nun in die performative Kunst und seinen persönlich spirituellen Kreativprozess.
Bei John Franzens Spiegel-Arbeiten seiner Creation is Destruction Serie steht die Interaktion des Künstlers und später des Betrachters mit dem Werk im Vordergrund. Die verspiegelten Stahlplatten, in welche raue Axthiebe geschlagen wurden, stören auf den ersten Blick das Auge des von Natur aus narzisstischen Betrachters und regen zur kritischen Auseinandersetzung mit der eigenen Wahrnehmung an.
Franzens Werkserie Each Line one Breath ist ebenfalls der eigenen Existenz in Teilform seiner Atmung gewidmet. Jeder Atemzug wird, einem Ritual ähnelnd, meditativ mit einer Linie dokumentiert. Die beiden scheinbar ungleichen Serien sind auf logische, komplementäre Weise miteinander verbunden: die Zeichnungen repräsentieren die spirituelle Seite unseres Wesens, während die Stahlarbeiten die physische Seite darstellen.


Vita, Ausstellungen & Sammlungen
*1981
2003-2008 Academie Beeldende Kunsten - Maastricht NL
Ausstellungen und Kunstmessen (Auszug)
2025
Art Toronto - Schlieder Contemporary - Toronto CA
Schlieder Contemporary - Frankfurt DE
Art Karlsruhe - Schlieder Contemporary - Karlsruhe DE
2024
Muse Garden - Hong Kong CN
Art Amoy Fair - Muse Garden -Hong Kong CN
Galerie Art Engert - Eschweiler DE
Schlieder Contemporary - Frankfurt DE
2023
Paper Positions Munich - Schlieder Contemporary - München DE
Städtische Galerie Neunkirchen - Neunkirchen DE (Institution)
Schlieder Contemporary - Frankfurt DE
Galerie Art Engert - Eschweiler DE
2022
Collaboration Edition Maeght - Gallery Maeght - Paris FR
Schlieder Contemporary - Frankfurt DE
Galerie Art Engert - Eschweiler DE
2021
Positions Art Fair - Schlieder Contemporary - Berlin DE
Cosmoscow - Booroom Gallery - Moskau RU
Schlieder Contemporary - Frankfurt DE
Drawing Now Art Fair - Galerie Podgorny Robinson - Paris FR
Yoko Uhoda Gallery - Lüttich BE
2020
Schlieder Contemporary - Frankfurt DE
Yoko Uhoda Gallery - Lüttich BE
Booroom Gallery - Moskau RU
Cosmoscow - Booroom Gallery - Moskau RU
Galerie Podgorny Robinson - S. Paul de Vence FR
2019
Saatchi Gallery Drawing Fair - London GB
Ora Ora Gallery - Hong Kong
Yoko Uhoda Gallery - Knokke BE
Galerie Art Engert - Eschweiler DE
Galerie Podgorny Robinson - S. Paul de Vence FR
2017
Yoko Uhoda Gallery - Knokke BE
Schlieder Contemporary - Frankfurt DE
Galerie Podgorny Robinson - S. Paul de Vence FR
Parkview Gallery - Hong Kong CN
2016
Gallery Yoko Uhoda - Lüttich BE
Galerie Podgorny Robinson - S. Paul de Vence FR
London Art Fair - London GB
Art Central - Hong Kong CN
First Price Art Dubai Sculpture Award - Dubai UE
2015
Morgen Contemporary - Berlin DE
Oneiro - Paris FR
Arusha Gallery - Edinburgh GB
Art & Antiques fair - Hertogenbosch NL
Gallery Dixit Algorizmi - Berlin
Parkview Gallery - Hong Kong CN
Gallery Yoko Uhoda - Lüttich BE
Gallery Annette Müller - Düsseldorf DE
2014
Künstlerhaus Dortmund - Dortmund DE
Medi Art - Luxemburg LU
AAA Auction - Amsterdam NL
Shortlisted THFMF - London GB
International Artist Award - Dubai UE
Havoc - Amsterdam NL
2013
Scope 13 - Maastricht NL
Galerie Freitag 18.30 - Aachen DE
Gallery Morgen Contemporary - Berlin DE
Kunstsammlungen:
Foundation Maeght - Saint Paul de Vence & Paris FR
Prince of Monaco Museum - Monaco MC
Andersen GmbH Rechtsberatung Steuerberatung, Berlin DE
Private und Unternehmenssammlungen weltweit















































